3. März 2010

Cape Coast, Nationalpark und Kumasi

Im Januar kam Sarahs Mutter zu Besuch und gemeinsam sind wir von Cape Coast über den Kakum-Nationalpark nach Kumasi gereist. Weil wir keine Ahnung hatten wohin wir mussten, haben wir uns erstmal vom TroTro-Fahrer mitten in Cape Coast aussetzen lassen. Um uns irgendwie orientieren zu können sind wir erstmal durch die halbe Stadt zur Küste gelaufen. Ein kilometerlanger, mit Palmen gesäumter Sandstrand mit wunderschönen hohen Wellen. Mit Ausnahme von ein paar Fischern, die ihre Netze singend an Land zogen, war der Strand menschenleer. Nachdem wir unser Gasthaus auf der Karte gefunden hatten, liefen wir den ganzen Weg durch den weichen Sand, die Füße sanft umspült von den schaumigen, kühlen Wellen. Schon bald erreichten wir „Sahralotte“ unser kleines, gemütliches Gasthaus, dass nur 30 Meter entfernt vom Meer lag. An einem kleinen Stand haben wir Waakje (Reis und Bohnen mit scharfem Pfeffer) gekauft und uns zum Essen an den Strand gesetzt. Diese Art zu essen ist absolut unaufwändig , man ist einfach mit der Hand aus der Tüte. Solangsam schmeckt mir das Essen mit Besteck nicht mehr, ich muss also erstmal einen Benimmkurs belegen wenn ich wieder zurück bin! Den restlichen Tag waren wir schwimmen, bis die untergehende Sonne die dunklen Silhouetten der Palmen in rotes Licht tauchte. Auf dem Rücken liegend haben wir die Sterne bewundert und den brandenden Wellen gelauscht. Am nächsten Morgen haben wir Weißbrot und Kakao gekauft und am Strand gefrühstückt. Nach einer Abkühlung im Meer haben wir uns auf den Weg zum „Cape Coast Castle“ gemacht. Diese mächtige Burg mit ihren gewaltigen weißen Mauern wurde einst von den Briten errichtet und gehörte zu den größten Sklavenburgen der Welt. Die Führung war gut gemacht und interessant wenn auch genauso erschreckend. Es war ein beklemmendes Gefühl durch die finsteren, kalten Steingewölbe zu gehen, in denen so viele Menschen auf engstem Raum unter unglaublich grausamen Verhältnissen zusammengepfercht wurden und so viele kläglich umgekommen sind. Bevor man die Sklaven in die Kerker brachte, wurden sie mit glühenden Eisen gebrandmarkt und aneinander gekettet. Monatelang mussten sie ohne Licht und frische Luft ausharren, zum Teil kniehoch in ihren eigenen Exkrementen. Jeder der auf irgendeine Weise Widerstand leistete wurde ohne jegliches Verfahren in die Todeszelle gebracht. In diesem kleinen Raum mussten sie ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne Licht und frische Luft gefesselt auf dem harten Steinboden liegen, bis auch der Letzte verhungert, verdurstet oder erstickt war und man ihre Leichen ins Meer warf. Wer diese Zeit überlebte wurde durch die „Door Of No Return“ verfrachtet und unter nicht weniger grausamen Verhältnissen nach Europa und Amerika gebracht. Die wenigen Sklaven, die diese lange Reise überlebten, wurden wie Vieh auf den Märkten an ihre neuen Herren verkauft. Auch wenn es seltsam war auf dem gleichen Boden zu stehen und die selben Wände zu berühren war es doch alles sehr unreal, denn das Erzählte war so entsetzlich grausam, dass es kaum vorstellbar war. An der Wand lehnten Blumenkränze zum Gedenken an die Opfer, unter anderem einer von Barack Obama. In den oberen Stockwerken befanden sich die geräumigen, luftigen Gemächer der Offiziere mit Blick aufs Meer und der Sklavenmarkt. Außerdem befindet sich in der Burg das „Historische Museum für westafrikanische Geschichte“, das größte Museum über die Geschichte der Sklaverei. Am nächsten Tag sind wir in den Kakum-Nationalpark gefahren. Im Gegensatz zum letzten Mal war es richtig leer und angenehm ruhig, weil keine Schulklassen oder Reisegruppe da war. Wir sind wieder über den Canopy Walkway gegangen und haben die Aussicht über den endlosen, grünen, verschlungenen Regenwald genossen. Frische Luft, das Zwitschern der Vögel, das Zirpen der Grillen und eine vorbeihuschende, grüne Schlange im Gebüsch. Um fünf kam unser „Guide“ der uns auf einer Nachtwanderung und einer Übernachtung im Wald begleiten sollte. Gemeinsam gingen wir zum dem Camp, mitten im Regenwald. Das Camp befand sich auf einer kleinen Richtung und bestand aus einer Ansammlung von fünf Zelten, die verstreut unter den Baumriesen standen. Während wir auf den Einbruch der Nacht warteten, sahen wir hoch oben in den Baumkronen kreischende Affen vorbeihuschen und das Zwitschern der Vögel wurde lauter und vermischte sich mit den Schreien und Lauten der anderen Waldbewohner. Als es nahezu dunkel war machten wir uns, mit Taschenlampen ausgestattet, auf den Weg. Auf engen, verwundenen Pfaden gingen wir durch das schattige Gewirr des Waldes und die Lichtstrahlen der Taschenlampen huschten suchend durch das Gestrüpp und über die riesigen Wurzeln der uralten afrikanischen Bäume. Doch außer einer Riesenspinne, einer Schlange, einer Waldmaus und den Affen bekamen wir keines der Tiere zu Gesicht. Dafür hallten umso mehr Schreie der Baumkatzen und Waldratten durch die Stille, die zum Teil richtig unheimlich nach den Schreien einer Frau klang. Als wir für einen Moment die die Lampen ausschalteten waren wir von einer undurchdringlichen Schwärze umgeben und jedes Geräusch wurde noch lauter und intensiver. Einmal hörten wir ein lautes, tiefes Röhren, dass nach dem Ruf einer der Waldelefanten klang. Als wir den Eingang zum Walkway erreichten baten wir unseren Führer noch einmal die Hängebrücken betreten zu dürfen und dieses Mal unterschied sich von den vorhergehenden. Behutsam, um ja kein Geräusch zu verursachen, gingen wir über die wackligen Bretter bis zu einer der Holzplattformen hoch oben in einer der gewaltigen Baumkronen. Als ich den Kopf in den Nacken legte um zum Himmel aufzublicken, blieb mir der Atem stehen. Über mir erstreckte sich ein endloser, tiefschwarzer Himmel und die unzähligen Sterne leuchteten so unglaublich hell und groß als wären sie zum Greifen nahe. In diesem Moment konnte ich die Schilderungen des afrikanischen Himmels nachvollziehen, denn über mir erstreckte sich der schönste Sternenhimmel, den ich je gesehen habe. So hoch oben in den Bäumen, umweht vom kühlen Nachtwind, hatten ich das Gefühl den ganzen Regenwald für uns alleine zu haben. Leider viel zu schnell mussten wir zum Camp zurück und wieder unter das undurchdringliche Dach aus Blättern abtauchen. Wir saßen noch eine Zeit vor dem Zelt, genossen die friedliche Atmosphäre und lauschten den Geräuschen des Waldes. Sobald ich im Zelt lag, viel ich in einen tiefen, angenehmen Schlaf und erwachte erst wieder als es schon langsam hell wurde. Nach einer einstündigen Führung mit Erklärungen zu den verschiedenen Bäumen und ihren Funktionen kamen wir wieder beim Restaurant an und haben erstmal gemütlich gefrühstückt. Danach sind wir mit dem TroTro zurück nach Cape Coast und von dort weiter nach Kumasi, der kulturellen Hauptstadt Ghanas, gefahren. Die nächsten drei Tage haben wir im Hotel „Sanbra“ gewohnt, das für den Preis richtig luxuriös war, mit DUSCHE, Klimaanlage und Frühstück aus Brot mit Rührei und BUTTER inklusive! Am nächsten Morgen sind wir auf den „Kejetia Central Market“ gegangen, dem größten Mark in ganz Afrika! Der Markt war beeindruckend und ich finde Jojo Cobbinah trifft es gut, wenn er ihn mit den folgenden Worten beschreibt: „Der Central Market ist groß, er ist laut, er ist vital, charmant und hässlich, er ist chaotisch aber er funktioniert ... Spätestens hier zeigt Afrika sein wahres Gesicht: ohne falsche Scham, lebendig und vielfältig.“ Auf einem riesigen Platz drängt sich eine Marktbude an die andere. Sobald man in die Nähe des Marktes kommt findet man sich in einer Menschenmenge wieder, die einen ins Innere des Marktes schwemmt, hinein in die kleinen, verwinkelten Gässchen. Sobald man schneller oder langsamer als der Rest ging, entstand ein Drängeln und Schubsen. Man ist umgeben von einem Meer aus Menschen mit dunkler Haut und kunterbunten Kleidern. Überall wurden uns neugierige Blicke zugeworfen und an jeder Ecke wurden wir von einer der Marktfrauen begrüßt und herzlich willkommen geheißen. Der Markt ist in Abschnitte aufgeteilt in denen Stoffe, Klamotten, Lebensmittel, Metallware und vieles mehr angeboten werden. Die meiste Zeit verbrachten wir bei den Stoffen, die sich in hunderten von Ständen und tausenden Regalen übereinander stapelten. Dieser Teil war zugleich der schönste, bunteste und ruhigste Teil des Marktes. Über den restlichen Markt sind wir nur flüchtig gelaufen. Manche Teile waren so voll und chaotisch, dass man aufpassen musste nicht den Menschen, mit ihren schweren Lasten auf dem Kopf, im Weg zu stehen oder von einem der großen Handkarren überrollt zu werden. Es herrscht eine schöne Atmosphäre auf dem Markt, doch nicht alles ist so vollkommen wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Manche Ecken quellen vor Müll nur so über, die offenen Abwasserkanäle verströmen eine unangenehmen Geruch und auch die Armut in der viele Menschen hier leben wird einem bewusst. Wie so vieles in Ghana hat der Markt zwei Gesichter. Zum Beispiel die atemberaubenden Landschaften und die tollen, gastfreundlichen Menschen auf der einen Seite, die überquellenden Müllberge und die schlagenden Lehrer auf der anderen Seite. Nach ein paar Stunden im Gedränge sind wir in den ruhigen Park des Kulturzentrums geflüchtet. Dort haben wir uns in den Schatten eines Baumes gesetzt, frische Bananen und Kekse gegessen und eiskaltes Wasser geschlürft. Danach haben wir uns die vielen Galerien, Werkstädten und Läden angeschaut. In den Galerien wurden ghanaische Gemälde ausgestellt und gemalt und in den Werkstädten wurden Trommeln, Stoffe,Schmuck und andere traditionelle Kunst hergestellt. Überall bestand die Möglichkeit den Künstlern über den Rücken zu schauen. Am letzten Tag unserer Reise sind wir in das kleine Dorf Bonwire gefahren, indem der Ursprung der Kente-Weberei liegt, dem traditionellen, ghanaischen Stoff der Ashanti. Es war interessant den Webern zuzuschauen, die in ihre hoch komplizierte Arbeit vertieft waren. Nervig waren nur die Männer, die uns ständig in ihre Läden ziehen wollten und einfach nicht verstehen konnten, dass wir uns die Stoffe nicht leisten konnten und einfach nur Interesse an der Herstellung hatten. Im nächsten Dorf sollte laut Reiseführer Glasperlen hergestellt werden, was sich jedoch als falsch herausstellte. Die Fahrt hat sich trotzdem gelohnt, weil es ein schönes, kleines Dörfchen war. Am nächsten Morgen haben wir uns auf die lange Rückfahrt nach Teshie gemacht. Als wir in Accra waren fing es so heftig an zu regnen, dass das Wasser durch das undichte Dach und die Fenster des TroTros strömte. Die Straßen standen unter Wasser und die offenen Abwasserkanäle verwandelten sich in reißende Bäche. Die letzte Strecke sind wir Barfuß gelaufen, weil die Flip-Flops immer wieder im Schlamm stecken geblieben sind. Teilweise standen wir bis zu den Knien im Wasser, da sich die hubbeligen Straßen in eine Pfützenlandschaft verwandelt hatten.Der dunkle Himmel wurde von violetten Blitzen zerrissen und zum ersten Mal hat es richtig gedonnert. Wieder zu Hause haben wir erstmal geduscht um den ganzen Schlamm abzuwaschen.

28. Februar 2010

Weihnachten und Silvester

Seit meinem letzten Bericht sind nun schon mehr als zwei Monate vergangen und es gibt entsprechend viel zu berichten. Ich wollte schon viel früher schreiben aber die Verbindung im Internet-Café ist so langsam, dass ich schon beim E-Mail schreiben verzweifelt bin. Jetzt haben wir wieder Internet und in Zukunft wird regelmäßig berichtet!
Über Weihnachten und Silvester waren Sarah und ich mit Sammy, meinem Klassenkameraden, in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kumasi. Zehn Tage haben wir mit seiner Familie in ihrer kleinen Hütte gelebt und eine ganz andere Seite des ghanaischen Lebens kennen gelernt. Einen Tag vor Heilig Abend sind wir um drei Uhr morgens aufgestanden und haben uns mit Rucksäcken und einer Tasche voll Plätzchen bepackt auf den Weg gemacht. Es folgte eine lange aber lustige Fahrt mit vielen Hubbeln in drei verschiedenen Trotros und anschließend zwei Taxis. Der letzte Abschnitt ging nur noch über eine rote, hügelige Schotterpiste umgeben von Bergen, bedeckt mit einem dichten, grünen Wald. Als wir ankamen, wurden wir schon erwartet und herzlich willkommen geheißen. Den restlichen Weg zum Dorf gingen wir zu Fuß auf einem kleinen Pfad durch den Wald. Der Weg schlängelte sich zu Beginn durch eine Orangenplantage an deren Bäumen unzählige, gelbe, duftende Orangen hingen. Dann viel der Weg ab, gesäumt von grünem Gebüsch und Palmen bis zu dem sandigen Ufer des Flusses Pra. Am Ufer angekommen haben wir alle unsere Schuhe ausgezogen und sind durch das angenehm kühle Wasser gewatet, dass mir in der Mitte bis zur Hüfte reichte. Danach liefen wir barfüßig durch einen lichten Wald aus Kakao-Bäumen, unter unseren Sohlen eine weiches Bett aus Blättern. Hinter der Plantage lag ein kleines Dorf aus ungefähr dreißig Hütten, größtenteils aus rotem Lehm. Nachdem wir dem halben Dorf vorgestellt und wieder und wieder willkommen geheißen worden sind, ließen wir das Dörfchen hinter uns und folgten wieder dem schmalen Pfad, hinein in einen Wald aus Palmen. Immer wieder tauchte auf einer kleinen Lichtung eine Ansammlung von zwei oder drei Hütten auf.

Und dann standen wir vor den zwei kleinen Hütten von Sammys Familie, die für die nächsten zehn Tage unser zu Hause waren. Die Wohnhütte bestand aus drei winzigen Zimmern, eines als Wohnzimmer und die anderen als Schlafzimmer. Für unseren Besuch hatten sie ein Zimmer geräumt, auf dessen Fußboden eine Strohmatte lag, die das ganze Zimmer ausfüllte und auf der wir zu dritt gerade so Platz hatten. Die andere Hütte dient als Vorratskammer und vor allem während der Regenzeit als Küche, mit Feuerstelle in der Mitte des Raumes. Da es weder Strom noch Wasser gab, war alles so ruhig und friedlich und es hing ein frischer, feuchter Waldgeruch in der Luft. Ein krasser Gegensatz zu dem lauten, hektischen Chaos der Großstädte. Überall zwitscherten die Vögel und in den hohen Bäumen hingen leuchtend rote Blüten.
Wir saßen auf einer Holzbank im Schatten eines Baumes und sofort stand ein ganzer Korb voll Orangen vor uns. Ich habe noch nie so saftige und süße Orangen gegessen und in kurzer Zeit hatte jeder von uns mindestens zehn Orangen verdrückt. Wir saßen gemeinsam am Feuer, wo „Mama“ jeden Tag leckere ghanaische Gerichte zubereitete. Seit ich in Ghana bin, habe ich noch nie so üppig und köstlich gegessen wie in dieser Woche. Wir saßen gemeinsam im Freien und haben mit der ganzen Familie aus einer Schüssel gegessen, typisch ghanaisch mit der Hand! Neben der Feuerstelle war die Dusche im Freien, ein kleiner Platz umstellt mit Palmwedeln als Sichtschutz. Als wir duschen gingen war es schon dunkel und nur der Mond spendete schwaches Licht. Das kalte Wasser war herrlich und nur wenige Meter entfernt prasselte das Feuer, um das die ganze Familie saß und sich lachend unterhielt. Bis spät in die Nacht saßen wir am Feuer und haben uns mit Händen und Füßen auf Ga verständigt. Im Baum hing das Radio und trillerte munter vor sich hin. Ansonsten war es so still, dass nur das Zirpen der Grillen und die Schreie der Tiere im Wald zu hören waren. Die Nacht war stockdunkel und die Glühwürmchen leuchteten mit den unzähligen Sternen um die Wette. Unsere Hütte! Feuerstelle mit Dusche im Hintergrund! Der Donnerbalken oder "Airport" Jeden Tag sind wir mit Anbruch der Dämmerung, noch vor fünf, aufgestanden und haben den Hof gefegt. Danach haben wir uns auf den Weg zum Wasserloch gemacht. Der Pfad führte durch den Wald und ging die letzten paar hundert Meter bergab und die letzten Meter führten über wacklige Holzbalken. Das Wasserloch lag mitten im Gebüsch und war ungefähr einen Meter breit. Nachdem wir unsere Kanister gefüllt hatten, wurde jedem ein Tuch zwischen Kopf und Kanister geklemmt, für mehr Tragekomfort! Die ersten Meter habe ich ziemlich geschwankt, ich wusste nicht wie schwer 20 Liter sein können, doch mit jedem Tag sah es ein bisschen eleganter aus. Das morgendliche Zähneputzen! Nach dem Frühstück sind wir über den Fluss zu einer der Kakaoplantagen gegangen, wo schon eine Gruppe um einen riesigen Berg Kakaobohnen saß. Grün, gelb, orange und lila lagen sie da, in den Farben von Herbstblättern. Die Bohnen werden mit einer Machete aufgehackt und die weißen, glitschigen Kerne heraus geschabt. Dann kamen wir an die Reihe und haben die Bohnen abgelöst, die mit einer glitschigen Schicht an einer Art Stiel befestigt sind. Indem man sie mit der Hand zusammendrückt, glitschen sie zwischen den Fingern hervor. Bis zum Nachmittag wurde der Haufen immer kleiner, bis auch die letzte Bohne aufgehackt und ausgequetscht war. Dann saßen wir alle gemeinsam auf dem Waldboden und haben Reis gegessen. Jeden Tag waren wir mit Sammy, seinen Brüdern Ima und Isaac und den Jugendlichen aus dem Dorf im Fluss baden, haben Wettschwimmen gemacht, herumgealbert oder mit einer Orange Wasserball gespielt. Einseifen am Fluss! Abends sind wir ins Dorf gegangen und obwohl am 24. noch kein Weihnachten gefeiert wird, ließen die Männer den Palmwein fließen. Weil sie uns zu aufdringlich wurden und man den widerlichen Geruch meilenweit riechen konnte, haben wir uns schnell zur nächsten Gruppe gesellt. Das halbe Dorf hatte sich auf dem Dorfplatz versammelt um einen Film auf dem, vom einzigen Generator angetriebenen, Fernseher zu schauen. Es ist schön dass vieles, was bei uns schon so selbstverständlich geworden ist, hier noch etwas besonderes ist. Wo bei uns jeder alleine vor seinem Fernseher sitzt, wird es hier als Gelegenheit genutzt sich zu versammeln. Die Dorfgemeinschaft ist wie eine große Familie. All das wird verschwinden, wenn es hier in Zukunft Elektrizität geben wird. Am 25. findet das richtige Weihnachtsfest statt. Nach dem Fegen haben wir Sammy's Onkel am anderen Ende der Plantagen besucht. Als wir aus dem tiefen, mit Efeu überwuchertem Wald aus Palme traten, sahen wir zwei kleine Hütten und die Weihnachtsvorbereitungen waren im vollen Gange. In den Bäumen hingen bunte Luftballons und die traditionelle Zeremonie wurde vorbereitet. Sofort wurden Bänke ins Freie getragen und alle setzten sich zu uns. Wir wurden so gastfreundlich behandelt, dass wir fast ein schlechtes Gewissen hatten. Wir bekamen eiskalte Cola und Kekse gereicht, die wahrscheinlich für die Familie gedacht waren. Doch ablehnen war sinnlos und wäre unhöflich gewesen und sie waren glücklich mit uns Weihnachten feiern zu können. Die Männer und Jungen zogen ihre Schuhe aus und stellten sich für die Zeremonie auf. Der Vater hatte ein rotes Tuch umgebunden und begann die Götter und Ahnen anzurufen. Dabei wurden mehrere Sorten hochprozentiger Alkohol auf den Boden geschüttet. Der Mann sprach Ewe, das wie ein melodisches Singsang klang; eine der schönsten Sprachen die ich je gehört habe. Nachdem das Ganze auf der anderen Seite des Hofes wiederholt worden war, zogen sie ihre Schuhe wieder an und gesellten sich zu uns. Jetzt kam der Geisterbeschwörer, nur in ein weißes Tuch gehüllt. Sein Blick war starr in die Ferne gerichtet und er war fast ein bisschen unheimlich. Ein Stuhl wurde uns gegenüber aufgestellt und weißer Puder auf die Sitzfläche und den Boden gestreut, bevor der Mann platz nahm. Es folgte eine komplizierte Begrüßungszeremonie, bevor er die Geister anrief und ebenfalls Alkohol auf den Boden schüttete. Danach wurde der Geisterbeschwörer verabschiedet und verschwand so geheimnisvoll im Wald wie er gekommen war. Eine Ziege wurde herangeführt, die ihr Schicksal zu ahnen schien und jämmerlich schrie. Sie bekam noch ein letztes Mal Wasser gereicht, bevor ihr die Kehle mit einer Machete durchgeschnitten wurde. Der Hals wurde nach hinten gebogen und das heraus spritzende Blut über den Eingang zum Hof verteilt, um Geister fern zu halten. Noch Minuten später zuckte das Schwänzchen und der durchtrennten Luftröhre entwichen röchelnde Geräusche. Als Ex-Vegetarierin war ich erstaunt, dass ich keinerlei Probleme hatte dabei zuzusehen. Ein Feuer wurde entfacht und die komplette Ziege in die Flammen gehalten, bis das Fell abgeschmort war. Dann wurde das verbrannte Fell abgekratzt und die Haut mit Seife sauber geschrubbt. Während wir neben dem Feuer saßen bekamen Zuckerreis und gegrillten Mais zum Essen und nachdem die Ziege ausgenommen worden war wurde extra für uns das „Delikates-Stück“ der Ziege gegrillt. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Herz gegessen! Obwohl wir schon mehr als satt waren, mussten wir später noch Ziegenfleisch essen. Sie waren so unglaublich gastfreundlich und bevor wir uns wieder auf den Rückweg gemacht haben, gab uns der Vater noch einen Rat und seinen Segen mit auf den Weg. Der Weihnachtsbaum! Die Zeremonie! Als wir zurück waren, stand schon das Mittagessen auf dem Tisch und weil er so lecker war aßen wir obwohl wir noch immer satt waren. Den restlichen Tag besuchten wir einen Verwandten nach dem anderen und überall wurden wir mit herrlichen Speisen bewirtet. Nachmittags waren wir schwimmen und danach mussten wir schon wieder essen. Ich war so voll wie noch nie und hatte an diesem Tag mehr als acht Mahlzeiten gegessen. Bevor wir ins Bett gingen saßen wir noch am Feuer und haben geredet und gesungen. Es war ein wunderschönes Weihnachten, wenn auch auf eine ganz andere Art. Am nächsten Tag sind wir mit der ganzen Familie auf eine andere Kakaoplantage gegangen, zu der wir ungefähr eine Stunde durch den Wald laufen mussten. Den Kopf unseres feierlichen Zuges bildete „Papa“, der barfüßig und mit dem dudelnden Radio unterm Arm voranging. Sarah und ich folgten mit viel zu kurzen Hosen von Sammy und ebenfalls barfüßig. Wir müssen einen lustigen Anblick geboten haben in den Dörfern, die wir durchquert haben. Den ganzen Tag haben wir die Bohnen von den Bäumen geschnitten und zusammen gesammelt. Die nächsten Tage haben wir die Bohnen aufgehackt und die Kerne ausgequetscht und sie zum Trocknen zur Hütte getragen. Mehrere Tage werden sie solange in der Sonne gewendet bis sie getrocknet sind. In Säcken verpackt werden sie zur Weiterverarbeitung an die großen Konzerne geliefert. Wenn ihr das nächste Mal Schokolade esst oder Kakao trinkt genießt es, denn es ist eine harte Arbeit! Von den Bäumen geschnitten ... ... entkernt ... ... und getrocknet! An Silvester haben wir uns abends auf den Weg ins Nachbardorf gemacht. Schon auf der Hälfte des Weges konnten wir die laute Musik, das Singen und Klatschen hören. Bevor wir jedoch in die Kirche gegangen sind, haben wir erstmal den einzigen Platz im ganzen Dorf gesucht an dem es Netz gab. Um Punkt elf Uhr saßen wir also in Ghana mitten in einem kleinen Dorf auf dem Boden und haben versucht Verbindung nach Deutschland zu bekommen und durften uns keinen Zentimeter von der Stelle bewegen. Wir kamen gerade noch rechtzeitig in der Kirche an um den Übergang ins neue Jahr zu erleben. Genau um Mitternacht brachen alle in Jubel aus und jeder schüttelte jedem die Hand um sich ein frohes neues Jahr zu wünschen. Wir wurden herzlich willkommen geheißen und auch uns wurde hundert Mal die Hand geschüttelt. Es war eine schöne Stimmung und alle schienen sich so nahe und vertraut. Danach wurde Sarah aufgefordert ein deutsches Weihnachtslied zu singen, worauf sie „Stille Nacht, heilige Nacht“ zum besten gab und die ganze Kirche zum jubeln brachte! Weil die Kirche bis zum nächsten Morgen gehen sollte gingen wir irgendwann nach draußen. Wir lagen im Gras und haben den Sternenhimmel bewundert und nach Sternschnuppen Ausschau gehalten, bis es zu kalt wurde und wir uns auf den Rückweg gemacht haben. Weil es schon so spät war haben wir beschlossen wach zu bleiben. Wir saßen am Feuer und haben Ima und Isaac geleuchtet, die zu unserem Abschied ein Huhn geschlachtet haben- um vier Uhr morgens. Bis zur Dämmerung saßen wir zusammen und haben uns zitternd an den Flammen gewärmt. Wir waren erleichtert als es langsam hell und wieder ein bisschen wärmer wurde. Noch ein letztes Mal haben wir den Hof gefegt und sind zum Wasserloch gegangen. Im Gegensatz zu meinem wackeligen ersten Versuch sah mein Gang nach dieser Woche fast gekonnt aus! Ein letztes Mal saßen wir alle gemeinsam im Hof unter dem Baum und haben aus einer große Schüssel Reis mit leckerer Soße gegessen. Mit schwerem Herzen haben wir uns von der ganzen Familie verabschiedet, die uns in dieser kurzen Zeit richtig ans Herz gewachsen ist, und haben uns auf die Heimfahrt gemacht. Es war eine tolle Erfahrung und eine wunderschöne Zeit!                                     Orangen ohne Ende!

Wieder in der Großstadt zu sein war ein Schock, nach dieser Woche in der Natur. Alles war viel lauter, hektischer und stickiger, wie wir es davor wahrgenommen hatten. Es war aber auch schön wieder zurück zu sein und alle wieder zu sehen!

14. Dezember 2009

Strände, Regenwald und ghanaische Nächte

Joggen im Sonnenaufgang

Morgens um vier Uhr bin ich aufgestanden um den Hof zu fegen und musste mich anstrengen etwas zu sehen, weil es noch so dunkel war. Beim Fegen muss besonders darauf geachtet werden, dass jegliche Spuren vom Vortag beseitigt werden und nach dem Fegen nur noch das Muster, das der Besen im Sand hinterlassen hat, zu sehen ist. Auch wenn ich am Ende von einer Stunde Fegen nur ein winziges Häufchen aus maximal drei Plastiktüten zusammen fegen kann. Am Anfang habe ich mich immer nach dem Sinn des allmorgendlichen Fegens gefragt, später wurde mir erklärt, dass damit die Fußabdrücke der Geister verwischt werden. Da das Tor jede Nacht verriegelt wird und noch alle geschlafen haben, musste ich an diesem Morgen über die Mauer klettern. Als ich bei Nana ankam, begann es gerade zu dämmern und weil es noch so früh war haben wir beschlossen zum Strand zu joggen. Die Straßen waren noch angenehm leer und nur an den Straßenrändern wurden die ersten Stände aufgebaut. Da die Sonne nicht schien war es schön kühl und es hat richtig Spaß gemacht über den roten Sand zu laufen. Unterwegs haben wir mehrere joggende Gruppen getroffen, die singend und klatschend durch die Straßen liefen. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir kaputt aber glücklich am Strand angekommen und haben uns erstmal in den Sand fallen lassen. Im Sand liegend konnten wir den Sonnenaufgang bewundern, der einen golden glänzenden Strahl auf das Meer warf. Nach einer Abkühlung und einer Wasserschlacht im Meer, haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht, weil Nana zur Arbeit musste. Barfuß sind wir am Strand entlang geschlendert, bis wir wieder in der Stadt waren und zurück gejoggt sind. Zu hause angekommen, habe ich erstmal die kalte Dusche genossen und danach gemütlich auf der Terrasse gefrühstückt.

Ob man will oder nicht hat man sehr schnell zehn imaginäre Ehemänner und mindestens hundert Heiratsanträge. Ersteres liegt daran, dass es hier leider nicht so üblich ist, dass Jungen und Mädchen einfach nur befreundet sind. Aber keine Angst, ich bin noch nicht verheiratet! Andererseits, wenn es den Männern hier erlaubt ist mehr als nur eine Frau zu heiraten, warum sollten dann nicht auch die Frauen mehrere Männer haben? Mami wurde auch schon öfters für mein Kind gehalten, was ja schon allein wegen ihrer Hautfarbe sehr realistisch ist, aber hier scheint alles möglich zu sein. Sarah und ich werden immer wieder aufs Neue überrascht, obwohl Liebeserklärungen wie "Obruni, I love you ok!" schon zu unserem Alltag gehören.

                   Happy Family -  Sarah, Solomon und Nana

Gemütliche Abende

Ich liebe die ghanaischen Nächte! Seitdem wir Nana und Solomon kennen gelernt haben, sitzen wir fast jeden Abend auf einer Holzbank in ihrem Hof unter meinem Baum. Die Abende sind angenehm kühl und windig. Am schönsten ist es, wenn wir Stromausfall haben, dann ist es stockdunkel und der Himmel ist so schwarz, dass man tausend strahlende Sterne sehen kann. Es ist so entspannt und ruhig, wenn der Wind leise in den Blättern raschelt. Alles ist so unbeschwert und wie fast alles in Ghana ohne Hektik. Es ist schön einfach nur da zu sitzen, zu reden, singen, lachen oder Musik zu hören und den Sternenhimmel zu bewundern. Oder wir schlendern durch die dunklen Straßen, genießen die kühle Nachtluft und schlürfen Erdbeereis aus der Tüte. Überall stehen Kerzen an den Ständen, mit einem schönen, warmen Licht und in der Dunkelheit brennen kleine Feuer an denen gemütlich zusammengesessen und gekocht oder gegessen wird. Diese Nächte werde ich vermissen!  

Unangenehmer Luxus Vor kurzem habe ich festgestellt, dass ich nicht nur schon vier Monate in Ghana bin sondern mich auch schon so richtig an das Leben hier gewöhnt habe. Mir ist klar geworden wie relativ Luxus ist und dass einem Dinge die einem das ganze Leben lang so selbstverständlich vorgekommen sind, in einer anderen Umgebung so vollkommen seltsam und unpassend erscheinen können. An einem Samstagmorgen bin ich in Richtung Tema gefahren, um eine Freundin aus meiner Klasse zu besuchen. Als Anisha meinte, dass wir etwas zum Mittagsessen in einem Restaurant kaufen würden, dachte ich an eines der üblichen Stände am Straßenrand. Falsch gedacht! Es war ein kleines Fastfoodrestaurant direkt neben einer Tankstelle. Das Restaurant bestand aus einem einzigen Raum mit höchstens vier Tischen und trotzdem kam ich mir so richtig bonzig vor. Am Tisch neben uns saßen Geschäftsleute in ihren Anzügen und ich war froh als unsere Pommes mit Hähnchen fertig waren und wir das Restaurant verlassen konnten. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass mir dieses Restaurant ein paar Stunden später im Verhältnis klein erscheinen würde. Die Pommes waren auf jeden Fall lecker! Nachdem Essen saßen wir bei Anisha im Hof und haben ein traditionelles ghanaisches Brettspiel gespielt haben. Das Spiel besteht aus einem Holzbrett mit in zwei Reihen angeordneten Mulden. Nacheinander werden in einer Bestimmten Technik Bohnen in die Mulden verteilt. Typisch ghanaisch nimmt das Spiel ewig kein Ende und kann Stundenlang gespielt werden. Deswegen haben wir das Spiel irgendwann abgebrochen, weil Anisha mir unbedingt einen Laden zeigen wollte und mal wieder habe ich mir etwas ganz falsches vorgestellt. Der „Laden“ hat sich ein riesiges Einkaufszentrum entpuppt und schon auf dem Parkplatz waren so viele Obrunis, wie ich seit meiner Ankunft in Ghana nicht mehr gesehen habe. Das Einkaufszentrum war mindestens so groß wie die Königsbaupassage und hatte neben Kleider-, Schmuck-, Schuhläden, Restaurants auch zwei Supermärkte die mich sehr an Kaufland oder Aldi erinnert haben. Alles war einfach nur protzig und hat überhaupt nicht hierher gepasst und die Preise waren dreimal so teuer. Vor allem diese Art von Touristen kann ich nicht verstehen, die nach Ghana kommen und ihre ganze Zeit in einem Luxushotel am Pool verbringen um ja nichts von Land und Leuten mitzubekommen und ihre Kinder filmen, wie sie stolz auf ihrem motorisierten Autochen sitzen. Zu Hause zeigen sie dann diesen Film und meinen sie hätten so viel von Ghana kennengelernt. Ich habe mich noch nie so unwohl gefühlt und war richtig erleichtert als wir wieder draußen waren. Ich bevorzuge den Markt und die Stände und natürlich unsere Schulkantine. Cape Coast   Vor drei Wochen sind wir mit Nana und Solomon übers Wochenende nach Cape Coast gefahren, um Nanas Großmutter zu besuchen. Saltpond ist ein schönes, ruhiges Örtchen direkt am Meer, richtig verträumt und nicht so hektisch und laut wie Teshie. Ein Kilometer langer, weißer Sandstrand mit Palmen lädt zum Hängematteliegen ein. Weil Saltpond so abgelegen ist, waren keine Touristen zu sehen. Der Strand war vollkommen leer bis auf die Fischer, die ihre Netze einholten und kleine Nackedeie die in den Wellen planschten und den Obruni-Tanz aufführten, sobald sie mich und Sarah sahen (Obruni ist Weißer in Twi). Abends haben wir Kenkei an einem der vielen von Kerzen beleuchteten Stände gekauft und in dem gemütlichen Innenhof von dem Haus von Nanas Großmutter gegessen. Natürlich unterm Sternenhimmel! Bis spät in die Nacht lagen wir am Strand und haben dem Rauschen der Wellen gelauscht und die Sterne zwischen den Schatten der Palmen bewundert. Ab und zu konnte man eine Sternschnuppe vorbeihuschen sehen. Einfach nur daliegen und nichts machen, außer zu reden und zu singen. Später sind noch andere Freunde von Nana und Solomon gekommen und haben sich zu uns gesetzt. Nach einer kurzen Nacht auf einem harten Fußboden waren wir froh wieder an den Strand zu können. Nachdem wir uns zu den anderen Hausbewohnern gesellt hatten, die unter einer Palme standen um ihre Zähne zu putzen, sind wir auf den Markt gegangen um unser Frühstück einzukaufen. Ein leckeres Weißbrot mit Kakao und Orangen und Ananas zum Nachtisch! Nachdem essen sind wir ewig am Strand entlang gewandert, ohne dass irgendwann ein Ende in Sicht kam. Später kamen wir an eine Stelle, um die sich eine Gruppe gescharrt hatte um beim ausnehmen einer Meeresschildkröte zuzusehen. Um eines der schweren Fischernetze einzuholen werden mindesten zwanzig Leute benötigt die in einer Reihe und im Rhythmus eines bestimmten Liedes das Schwere Netz an Land ziehen. Immer wieder sieht man kleine Jungen, die in Windeseile die dünnen, glatten Stämme der hohen Palmen hinaufklettern, um die Kokosnüsse zu pflücken. Bis zum Nachmittag waren wir schwimmen oder haben im Schatten der Palmen im Sand geschlafen. Viel zu früh mussten wir uns wieder auf die lange Heimfahrt machen. Es ist mir wirklich schwer gefallen am Montag wieder in die Schule zu müssen, aber wir waren auf jeden Fall nicht zum letzten Mal in Saltpond.

Spaziergang im Sonnenuntergang!

Der Traumstrand aus der Werbung!

Füße baumeln lassen!

Eine Meeresschildkröte wird ausgenommen!

Der Markt - Geschäftiges Treiben am frühen Morgen!

Kakum Nationalpark Wir fahren nach Cape Coast zu einer der Sklavenburgen... oder auch nicht! Seit Wochen war dieser Ausflug von Bernice Kirche aus geplant und Sarah und ich wurden eingeladen mitzukommen. Am Samstagmorgen um halb sieben sollte es losgehen. Bis Bernice, Daniel und die Kinder startklar waren, war es schon fast halb sieben und als wir an der Kirche ankamen, war kein Mensch zu sehen. Wir wollten schon wieder nach Hause gehen, weil wir dachten die anderen wären ohne uns losgefahren, als doch noch jemand kam. Spänter hat sich herausgestellt das wir nicht die Letzten sondern die Ersten waren. Nacheinander kamen alle eingetrudelt und um acht konnten wir dann endlich losfahren. An das ghanaische Zeitgefühl habe ich mich so langsam schon gewöhnt und auch ich nehme die Pünktlichkeit nicht mehr ganz so genau, obwohl es manchmal echt nervig sein kann. Vor kurzem hatte Nana Geburtstag und wir haben beschlossen zum Strand zu gehen. Als wir zur verabredeten Zeitpunkt mit Geburtstagskuchen bei ihm zu Hause waren hieß es, er würde in fünf Minuten kommen. Als er nach vier Stunden immer noch nicht da war haben wir beschlossen nach Hause zu gehen. Abends hat er dann angerufen und gefragt ob wir vorbeikommen wollen, ohne Entschuldigung oder auch nur ein schlechtes Gewissen zu haben. Naja den Kuchen haben wir uns alleine schmecken lassen! Weil es sein Geburtstag war sind wir dann aber doch noch vorbeigegangen und konnten nicht mal böse auf ihn sein. Aber zurück zu unserem Ausflug. Auch die Fahrt hat sich ewig hingezogen, weil der Fahrer alle paar Minuten aussteigen musste um irgendetwas zu reparieren. Trotzdem war die Fahrt schön und wenn nicht gerade gesungen und geklatscht wurde, haben alle durcheinander geredet und wir waren eine richtig nette Truppe. Auf dem Weg wurde uns mitgeteilt, dass wir doch nicht die Sklavenburg besichtigen werden, sondern zum Kakum Nationalpark fahren. Schon vom Parkplatz aus konnte man den Regenwald sehen und mitten in einem Bambuswäldchen haben wir unser mitgebrachtes Essen genossen. Dann haben wir uns auf den Weg in den Regenwald gemacht, zu unserem Hauptausflugsziel dem Canopy Walkway. In vierzig Metern Höhe wurde ein mit Netzen gesicherter und an seilen aufgehängter Pfad aus Holzplanken eingerichtet. Die Hängebrücken sind in den Baumkronen der gigantischen, knorrigen Baumriesen aufgehängt und von dieser luftigen Höhe hat man einen genialen Ausblick über den wunderschönen, grünen Regenwald, der sich verschlungen und geheimnisvoll so weit das Auge reicht vor einem erstreckt. Von den vielen seltenen Tieren und Vögeln war leider nichts zu sehen aber schon der Ausblick auf den Regenwald alleine hat sich gelohnt. Viel zu schnell hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen und weil wir erst so spät angekommen sind, mussten wir uns auch schon wieder auf den Heimweg machen. Auch wenn die ganze Aktion ein bisschen chaotisch war, hatten wir einen richtig schönen Tag.

Der Regenwald  - Grün, verschlungen und geheimnisvoll!

                 Der Pfad ins Nirgendwo!

                Picknick im Bambuswäldchen!

Gut getarnt ...

               ... im Dickicht der Baumwipfel ...

... zwischen Himmel und Erde!

Partukorpe Letzten Freitag sind wir wieder nach Partukorpe gefahren, diesmal zu zehnt, sodass wir uns ein eigenes Trotro mieten konnten und uns die ganze Umsteigerei erspart blieb. Wir haben also einen richtigen Familienausflug gemacht mit Rose, Antoniette, Sarah, Daniel, Maureen und den Kindern. Außerdem ist noch Ossibi mitgekommen, der Maurer der auch das Schule gebaut hat und wegen dem wir eigentlich nur nach Partukorpe gefahren sind. Im Januar werden die Arbeiten an dem Mehrzweckgebäude fortgesetzt und Ossibi wird das Projekt leiten und für diesen Zeitraum in Partukorpe leben. Ich hoffe dass auch ich dann die Chance haben werde für eine Zeit dort zu wohnen und mitzuhelfen, je nachdem wann ich Ferien bekomme. Es kann also endlich losgehen und ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten, was den Fortschritt des Projektes betrifft. Wieder wurde uns eine Schale mit Wasser gereicht, die in die verschiedenen Himmelsrichtungen auf den Boden geschüttet wurde. Danach saßen wir mit dem König und einigen Dorfbewohnern vor einer der Hütten auf einer Bank und es wurden Neuigkeiten in Ga ausgetauscht. Der König ist ein ruhiger, freundlich Mann den man in seinen Shorts und Bermudahemd und einem kleinen Mädchen auf dem Schoss nicht als König erkennen würde. Die Könige in Ada haben aber auch, so weit ich das mitbekommen habe, einen anderen Status. In der Stadt, in der Maureen aufs Internat geht ist der König gestorben und für alle Schüler wurden die Ferien verlängert, da es hier noch immer einige der alten Rituale praktiziert werden. So ist es in manchen Gebieten der Brauch, dass zwölf Menschen getötet werden müssen, wenn ein König gestorben ist um ihm ins Totenreich zu begleiten. Obwohl diese Bräuche verboten sind, weiß jeder Bescheid und alle reden darüber ohne auch nur den Versuch zu unternehmen etwas dagegen zu machen. Am meisten hat mich entsetzt, mit welcher Gleichgültigkeit darüber geredet wird. In der Umgebung von Partukorpe wird dieser Brauch glücklicherweise nicht praktiziert. In Partukorpe lebt eine uralte, liebe Frau die uns alle mit ihren zittrigen Armen umarmt hat, als wir das Dorf betreten haben. Nach der Aussage der Dorfbewohner ist sie 120 Jahre alt, wobei ich nicht so ganz von der Richtigkeit überzeugt bin. Ich habe noch nie so einen alten Menschen gesehen, doch obwohl sie nur noch aus Haut und Knochen besteht ist sie geistig ganz fit und kann auch noch alleine laufen und sie hat sich so gefreut uns zu sehen. Später waren wir noch kurz an dem wunderschönen Strand, den wir LaRitaBeach getauft haben, aber natürlich nicht offiziell. Nachdem wir noch mit frisch geernteten Kokosnüssen überhäuft wurden, haben wir uns wieder auf den langen Rückweg gemacht. La-Rita-Beach

   Die Zwiebeln gedeihen!

Eine neue Errungenschaft: Das Dorfkino!

Auf Wiedersehen!

                 Ghanas Next Topmodel!

Weihnachten! Was ist das denn? Heute ist schon der dritte Advent und obwohl ich jeden Abend mein Lichtchen im Adventskalender anzünde kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass schon in weniger als zwei Wochen Weihnachten ist. Eigentlich wollten wir uns einen Adventskranz aus Palmwedeln basteln, doch bis jetzt sind wir nicht dazugekommen. Ab und zu läuft sogar ein Weihnachtslied, während ich morgens den Hof fege und die letzten Tage war es bei 28 Grad richtig frisch morgens, sodass ich nahezu gefroren habe. Wenn ich nächstes Jahr im Herbst nach Deutschland komme, werde ich erfrieren. Gestern hatten wir einen winzigen Anflug von Weihnachtsstimmung. Weil wir den ganzen Abend Stromausfall hatten saßen wir gemütlich im Dunkel bei Kerzenschein in der Küche und haben Briefe geschrieben und Orangen mit Schokolade gegessen. In den Genuss der Schokolade sind wir gekommen, weil das Päckchen von Louisa und Sophia nach zwei Monaten endlich angekommen ist. Vielen Dank! Ich habe mich noch nie so über Schokolade gefreut.  

Über Weihnachten und Silvester werden wir mit Sammy, meinem Klassenkameraden, zu einem Dorf in der Nähe von Kumasi auf die Farm seiner Eltern fahren. Bis dahin müssen wir noch Plätzchen als Gastgeschenke backen und ganz vielleicht kommt dadurch ja ein bisschen Weihnachtsstimmung auf.

Eine wunderschöne Adventszeit und friert nicht zu sehr!

Interschools

Am Freitag hatten wir unser letztes Training und die letzte Besprechung vor den großen Spielen, auf die alle schon so lange hin gefiebert haben. Danach hat jedes Team Schultrikots bekommen und je nach Sportart Knieschützer, Schienbeinschoner, Stollenschuhe usw. Außerdem habe ich den Trainingsanzug der Schule bekommen, den wir alle trotzt Hitze vor und zwischen den Spielen anziehen mussten und auch an den normalen Schultagen tragen können falls es zu „kalt“ sein sollte. Wir konnten also gut ausgerüstet ins Wochenende starten. Am Montag konnte ich sogar bis um halb sechs schlafen, weil wir kein Training mehr hatten. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich irgendwann einmal darüber freuen würde so „lange“ schlafen zu dürfen. An dieser Stelle möchte ich euch meine täglichen Morgenrituale beschreiben. Normalerweise stehe ich um fünf Uhr auf und gehe nach draußen, um den Hof zu fegen. Für den Zeitraum des Trainings habe ich jedoch die Arbeit getauscht, weil ich sonst um vier hätte aufstehen müssen. Danach schöpfe ich Wasser zum Duschen. Obwohl man erst abends geduscht hat, ist man morgens so verschwitzt, dass das kalte Wasser richtig angenehm ist, obwohl man nur eine Stunde später wieder genauso verschwitzt ist. Es ist so warm, dass ich mir nicht vorstellen kann dass bald Weihnachten ist – und es wird immer heißer. In unserem Klassenzimmer ist es aber einigermaßen erträglich, weil wir keine Außenwand haben und ein kühler Wind vom Meer her weht. Unser Klassenzimmer ist überhaupt sehr baufällig und fällt halb auseinander, nicht nur das Gebäude sondern auch die Schulbänke. Vor kurzem ist nachts einer der „Dachbalken“ durchgebrochen und ein Teil des Wellblechdaches ist eingestürzt. Weil das Dach undicht ist, hat der Regen das Holz so aufgeweicht, dass es nur noch morsch ist. Jetzt haben wir also eine ungefähr drei Quadratmeter große Öffnung in der Decke, genau über meinem Platz. Aber wer hat schon das Privileg in seiner Klasse ein „Dachfenster“ zu haben, durch das man den blauen Himmel bewundern kann. Von den anderen wird es als „open top“ oder „airconditioner“ bezeichnet. Jetzt aber zurück zu meinem Morgenritual. Eigentlich muss ich jeden Morgen meine Schuluiform bügeln, deswegen habe ich mich am Montag richtig gefreut einfach nur in meine Sportsachen zu schlüpfen. Weil ich meistens spät dran bin, nehme ich mir nur Brot und einen Wasserbeutel aus der Küche und frühstücke auf dem Weg oder in der Schule. Auch wenn ich denke dass ich zu spät bin, ist Sammy, den ich jeden Morgen abhole, immer noch ein bisschen später dran und trotzdem waren wir noch nie zu spät in der Schule. An diesem Montag wären wir jedoch zu spät gekommen, wenn wir normalen Unterricht gehabt hätten. Auf der Hälfte unseres Weges wurden wir von einem Mann angehalten, der uns seine I.D.-Card unter die Nase hielt und erklärte, dass beim Immigration Office arbeite. Da er meine Schuluniform gesehen hatte, wollte er wissen ob ich hier zur Schule gehe und ob ich die richtige Aufenthaltserlaubnis dafür habe. Weil ich mein Pass nicht bei mir hatte, musste ich ihm meine Handynummer geben und sollte ihn nach der Schule anrufen. Wir haben ihn die nächsten drei Tage nicht mehr gesehen und als wir ihn dann wieder getroffen haben meinte er, dass er mit unsere Headmistress gesprochen und alles geregelt hätte.  Letztendlich waren wir gar nicht viel zu spät in der Schule, weil wir von einem der wenigen Müllautos mitgenommen wurden. In der Schule wurden alle Schüler mit Keksen und Kakao versorgt, bevor wir mit unserem Schulbus nach Accra gebracht wurden. Obwohl der Bus zweimal gefahren ist, war er viel zu klein für alle Spieler, doch das Gedränge und die Hitze konnte die gute Stimmung nicht dämpfen; ganz im Gegenteil. Wer noch nie mit einem ghanaischen Schulbus gefahren ist, kann sich nicht vorstellen wie so eine Fahrt abläuft. Es wird gesungen, geklatscht und getanzt. Die meisten Lieder bestehen aus einer Art Frage- und Antwortgesang, wobei einer etwas singt und alle anderen einstimmen. Das ganze findet in einer solchen Lautstärke statt, dass am Ende dieser drei Tage alle heiser waren. Wo sich bei uns die Busfahrer und Lehrer schon bei der geringsten Lautstärke gestört fühlen, singen die Lehrer hier einfach mit. Weil die ganzen Lieder auf einer der lokalen Sprachen war und ich mir die Texte nicht so schnell merken konnte wurde ich zum Klatschen verdonnert. Mal wieder hat ein klatschender Obruni für Überraschung und Freude gesorgt. Wir hatten Spaß! Das Stadion lag direkt neben dem Flughafen und jeden Nachmittag konnte ich eine Lufthansamaschine starten sehen und natürlich habe ich ihr immer ganz liebe Grüße für euch mitgegeben. Als wir ankamen waren schon ein paar Mannschaften in ihren Trainingsanzügen mit den Farben der jeweiligen Schule da. Insgesamt waren es zwölf Senior Secondary Schools aus Accra und Umgebung. Nachdem alle Mannschaften da waren und auch die anderen Schüler die Tribünen gefüllt hatten, wurde die Begrüßungsrede gehaltn Schule da, ich war jedoch der einzige spielende Obruni und ich war richtig froh, dass wir an dieen und die ersten Spiele angesagt. Es waren noch zwei andere weiße Mädchen aus einer anderesem Tag unsere beiden Spiele gewonnen haben. Damit hatten wir uns für die Finalrunde qualifiziert und mussten erst wieder am Mittwoch spielen. Jede Mannschaft wurde von ihrer Schule angefeuert und es war eine richtig gute Stimmung im Stadion. Jeden Nachmittag wurden wir mit warmem Essen versorgt und auch Wasser wurde allen Spielern kostenlos bereitgestellt. Am Mittwoch haben wir leider unser erstes Spiel verloren und sind somit Dritter geworden. Insgesamt hat unsere Schule richtig gut abgeschnitten und in jeder Disziplin waren wir unter den ersten Drei. Entsprechend wurde am Mittwochabend gefeiert und auf der Rückfahrt war es noch lauter und lustiger im Bus als die letzten Tage. Zum Abschluss haben sich alle Mannschaften auf dem Fußballplatz versammelt und hinter dem jeweiligen Schulbanner aufgestellt. Nach einer Abschlussrede wurden die Ergebnisse verkündet und die Mannschaftsführer mussten nach vorne gehen um die Urkunden in Empfang zu nehmen. Als unser Volleyballteam aufgerufen wurde, haben mich alle dazu gedrängt unsere Urkunde abzuholen und weil sogar unsere Headmistress mich hergewunken hat, konnte ich mich nicht weigern. Die drei Tage haben wirklich Spaß gemacht und das Training hat sich gelohnt, schade ist nur dass wir jetzt erstmal kein Volleyball mehr spielen.